Paideia.
Philosophische Praxis
Forum Philosophie und Gesellschaft
Wir begleiten Privatpersonen, Fach- und Führungskräfte, Unternehmen und öffentliche Institutionen bei nachhaltigen Bildungs- und Transformationsprozessen
Beratung und Begleitung in privaten Kontexten
Wir beraten und begleiten Menschen in vielfältigen und herausfordernden Lebenssituationen. Anlässe können dabei tiefgreifende Lebens- und Sinnkrisen, die Erfahrung von Entfremdung und Verlust, belastende Konflikte, komplexe Entscheidungssituationen oder Phasen des Umbruchs und persönlicher Neuorientierung sein. Vertraute Lebensvollzüge tragen nicht mehr oder werden als brüchig erfahren, Neues zeigt sich noch nicht und muss allererst gefunden werden. Als „Gefährten“ und „Verbündete“ unterstützen wir die Gäste der Philosophischen Praxis auf dem Weg der Reflexion und Modifikation ihres Selbst- und Weltverständnisses. Ausgangspunkt solcher Bildungs- und Veränderungsprozesse ist dabei immer die je eigene "Lebensphilosophie", also die Art und Weise, wie der Gast der Philosophischen Praxis auf sich und die Welt schaut.
Unser Angebot der Beratung und Begleitung im privaten Kontext sowie unsere persönlichkeitsbildenden Seminare und Privatissima bieten Räume, sich Klarheit über das eigene Leben und das in ihm Begegnende zu verschaffen, “Existentielles” zur Sprache zu bringen, den Horizont zu weiten, der Orientierung und Neuausrichtung, der Einübung in Lebenskunst und Lebenskönnerschaft entlang der Frage nach dem guten und gelingenden Leben.
Beratung und Begleitung in organisationalen Kontexten
Wir beraten und begleiten Fach- und Führungskräfte, Unternehmen, öffentliche Institutionen und zivilgesellschaftliche Akteure bei nachhaltigen Bildungs- und Transformationsprozessen. Unser Angebot in organisationalen Kontexten besteht insbesondere darin, Fach- und Führungskräfte, Organisationen und Institutionen zu unterstützen, sich in einer fragmentierten und von multiplen Krisen heimgesuchten Welt, in Komplexität, Ungewissheit und zunehmend volatilen Umgebungen zu orientieren, Entscheidungsspielräume angesichts scheinbarer Sachzwänge zurückzugewinnen, das eigene Denken und Handeln in Hinsicht auf die es leitenden Grundüberzeugungen und Werte zu befragen, Pfadabhängigkeiten zu verlassen und neue Wege zu gehen.
Mögliche Anlässe für eine Beratung und Begleitung im organisationalen Kontext oder im Rahmen unserer Privatissima betreffen dabei insbesonder Fragen einer nachhaltigen und zukunftsfähigen Unternehmensführung, der strategischen Ausrichtung und gesellschaftlichen Verantwortung, dem Umgang mit Zielkonflikten und Dilemmasituationen, der Veränderung der Organisationskultur, der Bewältigung und Entwicklung der Führungsrolle oder Fragen von Professionalität und Ethik.
Wir initiieren und begleiten individuelle, organisationale und gesellschaftliche Bildungs- und Transformationsprozesse entlang der Frage nach dem guten Leben
Philosophie begegnet primär als eine in der kulturellen Lebenswelt anzutreffende Redepraxis, die prinzipiell an mündliche oder schriftliche Textualität gebunden ist. Als solche päsentiert sie sich in den unterschiedlichsten Feldern und Formen der Rede und des Gesprächs, so zum Beispiel in der universitären Forschung und Lehre, der Moderation transdisziplinärer und transsektoraler Dialoge, der Lebensberatung und Seelsorge, der Persönlichkeitsbildung, Beratung und Weiterbildung von Führungskräften, der Organisations- und Politikberatung, der Mediation oder in den vielfältigen Formen öffentlichen Vernunftgebrauchs. So bezeichnet philosophische Praxis, verstanden als die Praxis der Philosophie im Medium der Rede, in unserer Perspektive nicht die Anwendung einer vorgängigen Theorie oder Philosophie, sondern den Vollzug der Philosophie selbst.
Darüber hinaus bezeichnet der Begriff (P)hilosophische Praxis, ausgehend von der philosophischen Lebensberatung und philosophischen Organisationsberatung, in der Gegenwart eine aufstrebende Profession, die sich als Alternative zur Psychotherapie, zur konfessionellen Seelsorge oder zum Coaching versteht. Neben der Beratung liegt der Fokus der Philosophischen Praxis dabei in besonderer Weise auf der Begleitung individueller und kollektiver (Selbst-)Bildungsprozesse. Nicht zuletzt markiert der Begriff (P)hilosophische Praxis einen Ort und zugleich eine Institution, die ähnlich einer Anwaltskanzlei oder Arztpraxis den räumlichen und professionellen Rahmen für das gemeinsame Philosophieren bereitstellt.
Schließlich verweist uns die Rede von philosophischer Praxis auf die Philosophie als Lebensform. Die Philosophie als Lebensform setzt Philosophie in vielfältiger Weise mit Rhetorik und Ästhetik, Kunst und Wissenschaft, Politik und Gesellschaft in Berührung. Sie fällt in unserer Perspektive in Eins mit der Idee einer “Bildung als Lebensform”, mit “Lebenskunst” und “Lebenskönnerschaft”. Die Philosophie als Lebensform konstituiert sich dabei in besonderer Weise durch die Rede- und Hörfähigkeit des Menschen, das Sein des Menschen als “Gespräch-Sein” oder mit anderen Worten: seine “resonante” Selbst- und Weltbeziehung. So gilt für die Philosophie als Lebensform in besonderer Weise Friedrich Hölderlins Wort “dichterisch wohnet der Mensch auf dieser Erde”.
Wir haben alle unsere Philosophien, ob wir dessen gewahr werden oder nicht
Philosophische Lebensberatung zielt auf die Reflexion und Modifikation des Selbst- und Weltbezugs in Richtung des gelingenden Lebens. Damit ist gemeint, dass der Gast der Philosophischen Praxis seine Denkweisen, Emotionen, Werte, handlungsleitenden Überzeugungen und Glaubenssätze im Dialog mit einer Philosophin oder einem Philosophen reflektiert und “expliziert”. Dabei geht es für ihn um das “Wachwerden” für die Art seiner derzeit “implizit” vertretenen “Lebensphilosophie” sowie den Bezug dieser Lebensphilosophie zur gegenwärtigen Lebenssituation. Oftmals folgt diesem (Selbst-)Verstehensprozess die Entwicklung von differenzierteren und alternativen Sichtweisen auf das eigene Leben und damit die Möglichkeit zur Veränderung der jeweiligen Lebenssituation.
“Wir haben alle unsere Philosophien”, so formulierte es bereits der Philosoph Karl Popper, “ob wir dessen gewahr werden oder nicht …. ihre Auswirkungen auf unser Handeln und unser Leben sind oft verheerend. Deshalb ist der Versuch notwendig, unsere Philosophien durch Kritik zu verbessern.” Philosophische Lebensberatung unterstützt den Gast der Philosophischen Praxis auf diesem Weg ein Stück “zukunftsfähiger” zu werden.
Vertiefende Informationen und Literatur:
Allgemeine Literatur im Umkreis von Philosophie, Kultur, Wissenschaft & Gesellschaft
Literatur zur Profession und Institution der Philosophischen Praxis
Internationale Gesellschaft für Philosophische Praxis IGPP
Berufsverband für Philosophische Praxis BV-PP
Grundlagen u. Literaturempfehlungen zum Paideia-Ansatz (Auswahl):
Gernot Böhme: Einführung in die Philosophie: Weltweisheit, Lebensform, Wissenschaft, 5. Aufl. Frankfurt 2010.
Odo Marquard: Praxis, Philosophische (Artikel aus dem Historischen Wörterbuch der Philosophie)
Gerd B. Achenbach: Philosophie der Philosophischen Praxis, Baden-Baden 2023.
Ute Gahlings: Philosophische Praxis. Grundlagen - Situationen - Ethik, Baden-Baden 2023.
Heidemarie Bennent-Vahle, Dietlinde Schmalfuß-Plicht, Andreas Miller (Hg.): Metamorphosen Philosophischer Praxis, Münster 2024.
Thomas Gutknecht, Heidemarie Bennent-Vahle, Dietlinde Schmalfuß-Plicht (Hg.): Fürsorge und Begegnung, Münster 2018.
Thomas Polednitschek: Der politische Sokrates. Was will Philosophische Praxis? Münster 2013.
Thomas Polednitschek: Philosophische Praxis im 21. Jahrhundert (unveröffentlichter Vortrag auf Anfrage)
Michael Niehaus/Roger Wisniewski: Management by Sokrates. Was die Philosophie der Wirtschaft zu bieten hat, Berlin 2009.
Eckart Ruschmann: Philosophische Beratung, Stuttgart 1999.
Stefan Matuschek (Hg.): Wo das philosophische Gespräch ganz in Dichtung übergeht. Platons Symposion und seine Wirkung in der Renaissance, Romantik und Moderne, Heidelberg 2002
Peter L. Oesterreich: Philosophen als politische Lehrer (Quelle: Augustana-Hochschule)
Peter L. Oesterreich: “Seelenführung durch Rede”. Die rhetorische Psychologie des philosophischen Idealismus (Quelle: Psychologie und Geschichte, Vols. 10, Issue 3/4)
Peter L. Oesterreich: Rhetorik als philosophische Fundamentalwissenschaft (Quelle: Information Philosophie)
Helmut Schanze: Romantische Rhetorik (Quelle: Romantik-Handbuch)
Bruno Liebrucks: Sprache und Bewusstsein (Bd. 1), Frankfurt 1964.
Eugen Biser: Der inwendige Lehrer. Der Weg zu Selbstfindung und Heilung, München 1994.
Wilhelm Schmid: Die Wiederentdeckung der philosophischen Lebenskunst (Quelle: Lindauer Psychotherapiewochen)
Wilhelm Schmid: Das Leben verstehen. Von den Erfahrungen eines philosophischen Seelsorgers, Berlin 2017.
Peter Bieri: Wie wäre es gebildet zu sein? (Quelle: Hoffbauer Stiftung)
Peter Bieri: Wie wollen wir leben? St. Pölten 2011.
Peter Heintel: Interventionsforschung im Bildungsauftrag (unveröffentlichtes Manuskript auf Anfrage)
Peter Heintel: Mediation und Demokratie (unveröffentlichtes Manuskript auf Anfrage)
Peter Heintel: Innehalten. Gegen die Beschleunigung - für eine andere Zeitkultur, Freiburg i. Br. 1999.
Peter Heintel/Larissa Krainer: Geschichtlich-kulturelle Nachhaltigkeit, in: Erwägen, Wissen, Ethik, Bd. 4, Stuttgart 2010.